Theoretisch habe ich es ja schon relativ gut, denn ich wohne sehr zentral und kann lt. Fahrplan entspannt mit dem Bus in 20 Minuten zur Arbeit fahren. Dafür muss ich nur kurz am Marktplatz umsteigen und schon bin ich da. Theoretisch ist Busfahren toll. Theoretisch kann ich vor meiner Haustür alle 10 Minuten in einen Bus steigen, gemütlich die Zeitung lesen und bin kurz darauf schon da. Theoretisch eben. Praktisch klappt das mit dem Umsteigen nach Fahrplan nicht, da in der Kleinstadt (aus unerfindlichen Gründen), die Busse fahren wie sie wollen, nur nicht nach Fahrplan. Es ist ja nicht so, dass in der Kleinstadt jeden Tag eine Demo ist oder Straßen wegen eines Staatsbesuches gesperrt werden, wie in anderen Städten, in denen ich schon gewohnt habe. Trotzdem fahren die Busse einfach irgendwann.
Und wenn man dann mal drin ist, kann man nicht gemütlich lesen, man muss sich mit allen Kräften festhalten, um nicht durch den gesamten Bus geschleudert zu werden. Denn der Kleinstadtbusfahrer gibt nach jedem Halt erst mal Vollgas, um 50m weiter an der nächsten Ampel oder Haltestelle wieder eine Vollbremsung zu machen. Warum, habe ich bisher noch nicht ergründet. Jedenfalls fürht das dazu, dass man sich die gesamte Fahrt krampfhaft festhalten muss, denn sonst fällt man auf andere Fahrgäste oder noch schlimmer durch den kompletten Gang.
Ich habe auch schon in einer südlichen Hauptstadt gewohnt, auch dort bin ich häufig busgefahren. Nun sind die Südländer nicht gerade für ihren entspannten, rücksichtsvollen Fahrstil bekannt. Trotzdem wurde man dort nur in absoluten Ausnahmefällen durch den Bus geschleudert (Vollbremsung, weil
Fahrradfahrer vor den Bus fällt o.ä.). Warum also in der entspannten Verkehrssituation der Kleinstadt? Wahrscheinlich versuchen die Busfahrer einfach die undruchdringlichen Anzeigen einzuhalten. Es gibt nämlich so tolle digitale Busanzeigen, die theoretisch anzeigen sollen, wann der nächste Bus jeder Nummer kommt. Wäre ja ne super Sache, da die Busse, wie gesagt, sich sowieso nie an die Fahrpläne halten, wüßte man theoretisch, wann der nächste Bus, der in die gewünschte Richtung fährt, kommt. Nur leider funktioniert das natürlich nicht. So steht da z.B. "10 Min", man geht also noch schnell ein Brot beim Bäcker direkt an der Haltestelle kaufen, kommt drei Minuten später raus,die Anzeige ist weg - und der Bus wohl auch. Noch toller ist allerdings, wenn man an der Haltestelle wartet, weil der Bus angeblich in 3 Minuten kommen soll, dann in 2 und dann ist der Bus von der Tafel verschwunden, er kam aber nicht. Uh, Geisterbusse in der Kleinstadt.
Sehr amüsant sind allerdings die Mitfahrer. Eigentlich braucht man gar nichts zu lesen im Bus, denn vor allem nach der Arbeit ist der Bus voller lustiger Gestalten. und damit meine ich nicht die Rentner, die einen nicht mal aussteigen lassen, bevor sie den Bus stürmen (ich frage mich ja immer, warum es Rentner immer so eilig haben - denken die, dass ihnen nicht mehr so viel Zeit bleibt oder was?). Ich versuche ja immer, diese Rentner zu erziehen, in dem ich dann breit in der Tür stehen bleibe - und zwar so lange, bis sie irgendwann doch zur Seite gehen und die Leute aus dem Bus erst aussteigen lassen. Immer wieder lustig, diese Grabenkämpfe. Denn die Theorie, dass die kleinen Kinder nicht wissen, dass man die Leute erst aus dem Bus aussteigen läßt, bevor man einsteigt, ist weit gefehlt. Die Rentner sind viel schlimmer!!!
Es könnte ihnen ja sonst auch jemand ihren geliebten Vierer-Sitz wegnehmen. Auf dem kann man als Rentenbeitragszahler ja nie sitzen, denn wenn man einsteigt, ist er IMMER schon von Rentenempfängern belegt. Dann bleiben nur die Plätze ganz hinten, bei den "coolen"Jugendlichen. Was man zwischen denen so erlebt, erzähle ich beim nächsten Mal...
Dienstag, 3. März 2009
Busfahren in der Kleinstadt
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