Eigentlich bin ich ein Fan von Facebook. Ich freue mich über die Statusmeldungen meiner Freunde. Montagsmorgens ist es gut zu wissen, dass auch die anderen nicht aus dem Quark kommen, dass man sich freitags gemeinsam auf das Wochenende freut, wer am Lernen ist oder Urlaub hat. Aber in letzter Zeit frustriert mich Facebook nur noch. Am Anfang war es witzig, die ganzen alten Bekannten aus der Schule wieder zufinden oder die Gastschwester vom Schüleraustausch. Doch dann stellt man plötzlich fest, dass der IT-Nerd aus der Parallelklasse plötzlich in London arbeitet, Tanja, die man vom Schulbus kennt und die nie im Ausland war in Kalifornien lebt und die nervige Besserwisserin aus der Grundschule jetzt Architektin in NYC ist! Und alle anderen, die irgendwie schon immer cool waren, leben in Berlin und Hamburg. Das will ich gar nicht wissen, da es mich nur noch mehr frustriert. Scheinbar lebt plötzlich jeder in coolen Städte, jeder, der nie im Ausland war und sich nicht mal vorstellen konnte, 50km von Mama entfernt zu studieren, wohnt plötzlich in den tollen Städten dieser Welt. Und obwohl ich schon während der Schulzeit und auch danach immer wieder in tollen Städten gelebt habe, sitze ich jetzt in Provincetown und weiß nicht, ob ich hier jemals wegkomme. Das ist soooo frustrierend!
Der Mann den ich liebe will so schnell wie möglich Kinder mit mir. Prinzipiell habe ich da nichts dagegen, aber ich habe einfach Angst, dass ich dann für immer in diesem Kaff gefangen bin und erst mal nicht einmal mehr für einen Weekendtrip hier heraus komme. Das Leben ist soooo ungerecht.....
Donnerstag, 12. März 2009
Dienstag, 3. März 2009
Busfahren in der Kleinstadt
Theoretisch habe ich es ja schon relativ gut, denn ich wohne sehr zentral und kann lt. Fahrplan entspannt mit dem Bus in 20 Minuten zur Arbeit fahren. Dafür muss ich nur kurz am Marktplatz umsteigen und schon bin ich da. Theoretisch ist Busfahren toll. Theoretisch kann ich vor meiner Haustür alle 10 Minuten in einen Bus steigen, gemütlich die Zeitung lesen und bin kurz darauf schon da. Theoretisch eben. Praktisch klappt das mit dem Umsteigen nach Fahrplan nicht, da in der Kleinstadt (aus unerfindlichen Gründen), die Busse fahren wie sie wollen, nur nicht nach Fahrplan. Es ist ja nicht so, dass in der Kleinstadt jeden Tag eine Demo ist oder Straßen wegen eines Staatsbesuches gesperrt werden, wie in anderen Städten, in denen ich schon gewohnt habe. Trotzdem fahren die Busse einfach irgendwann.
Und wenn man dann mal drin ist, kann man nicht gemütlich lesen, man muss sich mit allen Kräften festhalten, um nicht durch den gesamten Bus geschleudert zu werden. Denn der Kleinstadtbusfahrer gibt nach jedem Halt erst mal Vollgas, um 50m weiter an der nächsten Ampel oder Haltestelle wieder eine Vollbremsung zu machen. Warum, habe ich bisher noch nicht ergründet. Jedenfalls fürht das dazu, dass man sich die gesamte Fahrt krampfhaft festhalten muss, denn sonst fällt man auf andere Fahrgäste oder noch schlimmer durch den kompletten Gang.
Ich habe auch schon in einer südlichen Hauptstadt gewohnt, auch dort bin ich häufig busgefahren. Nun sind die Südländer nicht gerade für ihren entspannten, rücksichtsvollen Fahrstil bekannt. Trotzdem wurde man dort nur in absoluten Ausnahmefällen durch den Bus geschleudert (Vollbremsung, weil
Fahrradfahrer vor den Bus fällt o.ä.). Warum also in der entspannten Verkehrssituation der Kleinstadt? Wahrscheinlich versuchen die Busfahrer einfach die undruchdringlichen Anzeigen einzuhalten. Es gibt nämlich so tolle digitale Busanzeigen, die theoretisch anzeigen sollen, wann der nächste Bus jeder Nummer kommt. Wäre ja ne super Sache, da die Busse, wie gesagt, sich sowieso nie an die Fahrpläne halten, wüßte man theoretisch, wann der nächste Bus, der in die gewünschte Richtung fährt, kommt. Nur leider funktioniert das natürlich nicht. So steht da z.B. "10 Min", man geht also noch schnell ein Brot beim Bäcker direkt an der Haltestelle kaufen, kommt drei Minuten später raus,die Anzeige ist weg - und der Bus wohl auch. Noch toller ist allerdings, wenn man an der Haltestelle wartet, weil der Bus angeblich in 3 Minuten kommen soll, dann in 2 und dann ist der Bus von der Tafel verschwunden, er kam aber nicht. Uh, Geisterbusse in der Kleinstadt.
Sehr amüsant sind allerdings die Mitfahrer. Eigentlich braucht man gar nichts zu lesen im Bus, denn vor allem nach der Arbeit ist der Bus voller lustiger Gestalten. und damit meine ich nicht die Rentner, die einen nicht mal aussteigen lassen, bevor sie den Bus stürmen (ich frage mich ja immer, warum es Rentner immer so eilig haben - denken die, dass ihnen nicht mehr so viel Zeit bleibt oder was?). Ich versuche ja immer, diese Rentner zu erziehen, in dem ich dann breit in der Tür stehen bleibe - und zwar so lange, bis sie irgendwann doch zur Seite gehen und die Leute aus dem Bus erst aussteigen lassen. Immer wieder lustig, diese Grabenkämpfe. Denn die Theorie, dass die kleinen Kinder nicht wissen, dass man die Leute erst aus dem Bus aussteigen läßt, bevor man einsteigt, ist weit gefehlt. Die Rentner sind viel schlimmer!!!
Es könnte ihnen ja sonst auch jemand ihren geliebten Vierer-Sitz wegnehmen. Auf dem kann man als Rentenbeitragszahler ja nie sitzen, denn wenn man einsteigt, ist er IMMER schon von Rentenempfängern belegt. Dann bleiben nur die Plätze ganz hinten, bei den "coolen"Jugendlichen. Was man zwischen denen so erlebt, erzähle ich beim nächsten Mal...
Sonntag, 1. März 2009
You can take the girl out of the city but you can’t take the city out of the girl.
Seit nunmehr drei Jahren lebe ich in „Provincetown“ – und damit meine ich leider nicht das schnuckelige Ferienörtchen auf Cape Cod, sondern eine deutsche Kleinstadt, die auch noch stolz darauf ist, „Provinz“ zu sein.
Ich möchte nicht verschweigen, dass ich meine Jugend hier ganz in der Nähe verbracht habe. Aber ich habe in der Großstadt studiert – im In- und Ausland – und dort möchte ich auch Leben. Ich liebe die Großstadt wegen der unglaublichen Möglichkeiten. Natürlich geht niemand in 200 Konzerte pro Woche, jeden Tag zu einer neuen Ausstellungseröffnung, in diverse Theatervorstellungen und Vorträge, kauft nachts um kurz vor Mitternacht noch schnell den neuen angesagten Roman oder um 3h eine Zahnbürste. Aber die Tatsache, dass man es könnte, das bedeutet Freiheit für mich. Ist es nicht wunderbar, all diese Optionen zu haben? Ein Leben voller Entscheidungen und Möglichkeiten.
Freiwillig wäre ich in die Enge der Kleinstadt nie wieder zurückgekommen. Zurückgekehrt zu meinen ehemaligen Mitschülern, die in der nächst größeren Stadt studiert haben oder am besten gleich bei der Bank vor Ort ihre Lehre absolvierten und nun stolz ihr Reihenhaus zwei Straßen neben ihren Eltern präsentieren. Wie gruselig! Die Welt hat soviel zu bieten!
Ich lebe nun also jobbedingt in Provincetown und die Chancen dafür, hier je wieder weg zukommen, sind leider nicht besonders groß. Denn der Mann, den ich liebe, lebt hier auch. Und noch viel schlimmer: er findet es toll hier! Er findet die Kleinstadt „sympathisch“. Er wohnt hier schon lange, man kennt sich hier, alles ist übersichtlich und gemütlich, das schätzt er. Manchmal zweifle ich daran, ob wir wirklich zusammengehören, denn mich macht Provincetown wahnsinnig!
Ich weiß gar nicht so recht, wann und wie es anfing, aber ich wollte schon immer weg aus dem Dorf, in dem ich meine Kindheit verbracht hatte. Kaum das Abitur in der Tasche wurde ich flügge und zog in die Welt, um nach Jahren wieder in der Provinz zu landen. Und jetzt sitze ich hier fest.
You can take the girl out of the city but you can’t take the city out of the girl.
XOXO
Citygirl
Ich möchte nicht verschweigen, dass ich meine Jugend hier ganz in der Nähe verbracht habe. Aber ich habe in der Großstadt studiert – im In- und Ausland – und dort möchte ich auch Leben. Ich liebe die Großstadt wegen der unglaublichen Möglichkeiten. Natürlich geht niemand in 200 Konzerte pro Woche, jeden Tag zu einer neuen Ausstellungseröffnung, in diverse Theatervorstellungen und Vorträge, kauft nachts um kurz vor Mitternacht noch schnell den neuen angesagten Roman oder um 3h eine Zahnbürste. Aber die Tatsache, dass man es könnte, das bedeutet Freiheit für mich. Ist es nicht wunderbar, all diese Optionen zu haben? Ein Leben voller Entscheidungen und Möglichkeiten.
Freiwillig wäre ich in die Enge der Kleinstadt nie wieder zurückgekommen. Zurückgekehrt zu meinen ehemaligen Mitschülern, die in der nächst größeren Stadt studiert haben oder am besten gleich bei der Bank vor Ort ihre Lehre absolvierten und nun stolz ihr Reihenhaus zwei Straßen neben ihren Eltern präsentieren. Wie gruselig! Die Welt hat soviel zu bieten!
Ich lebe nun also jobbedingt in Provincetown und die Chancen dafür, hier je wieder weg zukommen, sind leider nicht besonders groß. Denn der Mann, den ich liebe, lebt hier auch. Und noch viel schlimmer: er findet es toll hier! Er findet die Kleinstadt „sympathisch“. Er wohnt hier schon lange, man kennt sich hier, alles ist übersichtlich und gemütlich, das schätzt er. Manchmal zweifle ich daran, ob wir wirklich zusammengehören, denn mich macht Provincetown wahnsinnig!
Ich weiß gar nicht so recht, wann und wie es anfing, aber ich wollte schon immer weg aus dem Dorf, in dem ich meine Kindheit verbracht hatte. Kaum das Abitur in der Tasche wurde ich flügge und zog in die Welt, um nach Jahren wieder in der Provinz zu landen. Und jetzt sitze ich hier fest.
You can take the girl out of the city but you can’t take the city out of the girl.
XOXO
Citygirl
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